Mehrgenerationenhaus Rotingdorf mit Brauerei, Werther

In dem Mehrgenerationenhaus in Rotingdorf bei Werther leben seit 1992 pflegebedürftige Menschen, Senioren und junge Familien selbstbestimmt nach dem Vorbild des „Bielefelder Modells“ unter einem Dach zusammen. Der Bauernhof aus dem 19. Jahrhundert besteht aus Haupthaus, Torgebäude, Remise und Scheune und besitzt zusätzlich ein parkähnliches Außengelände auf dem sich Schafe, Hühner und Katzen tummeln, an das idyllisch ein Bachlauf angrenzt.

Da aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel die unterschiedlichen Bauabschnitte seit Anfang der 90er Jahre vielfach in Eigenleistung erbracht werden mussten, stand weniger der architektonisch gestalterische als vielmehr der konzeptionelle Ansatz im Vordergrund der Planung. Besondere Aufmerksamkeit forderten die umfangreichen Brandschutzauflagen und die Erhaltung größtmöglicher Flexibilität. Entstanden sind abgetrennte, flexibel nutzbare Bereiche, die den unterschiedlichen Bedürfnissen entsprechen und dem Wechsel der Bewohner gerecht werden. 2008 leben acht pflegebedürftige Senioren im Erdgeschoss und eine Familie, zwei alleinerziehende Eltern und fünf Kinder im Obergeschoss.

Selbstbestimmtes Leben als Grundphilosophie spiegelt sich auch in der Wohnsituation der einzelnen Bewohner wieder. Es gibt nie einen Endzustand, da sich die Gebäude in einem ständigen Wandel befinden. Stand ursprünglich das Bedürfnis nach einem wohngemeinschaftlichen Zusammenleben im Vordergrund, sollen gemäß dem Bielefelder Modell heute möglichst autarke Wohneinheiten in Kombination mit Gemeinschaftsflächen geschaffen werden.

Der Charakter eines landwirtschaftlich genutzten Gebäudes mit verschiedenen Nutztieren wurde nie aufgegeben. Aus der Idee heraus, sich weitestgehend selbst versorgen zu können, entstand aus den ersten Versuchen Bier zu brauen mit einfachsten Mitteln die Brauerei Rotingdorfer, eine seit 2005 betriebene historische, holzbefeuerte Brauanlage.

Am Anfang stand der Traum | Stern | 28. Mai 2007